Königreich Benin Benin ist der Name eines von Edo-Völkern gegründeten Königreiches im Südwesten des heutigen Nigeria, das bis zum Jahre 1897 unabhängig war. Es gehört zu den am umfangreichsten dokumentierten vorkolonialen Reichen Afrikas. Geschichte Die Anfänge Das Königreich Benin wurde ca. 600 n. Chr.von der Ogiso-Dynastie gegründet, welche das Land bis zum 11. Jahrhundert beherrschte. Die heutige Dynastie, welche die gesellschaftliche Struktur des Staates und damit unser heutiges Bild vom Königreich Benin entschieden geprägt hat, ergriff die Macht im 12. Jahrhundert. Traditionellen Überlieferungen nach gebar eine Frau namens Erimwinde dem Yoruba-Adeligen Oranjan, Sohn von Obudawa, dem ersten König vom Königreich Oyo, einen Sohn namens Eweka. Während Oranjans Bemühungen, seine Heimatstadt Ife vom Land der Edo zurückzuerobern, soll er Erimwinde und Eweka zurückgelassen haben. Letzterer wurde einige Zeit später der erste Oba (Herrscher) von Benin und erhielt während seiner Herrschaft den Beinamen "der Vielgeliebte". Auf diese Weise wurde das Königreich Benin mit den Yoruba verbunden. Es war bereits Eweka, der vor seinem Tode ein siebenköpfiges Königswahl-Komitee einrichtete und damit das Königreich zu einer Art Wahlmonarchie machte, wobei allerdings nur unter den männlichen Nachkommen oder Verwandten des vorhergehenden Königs gewählt werden durfte. Dieser "Staatsrat" hatte nicht nur instanzgebende, sondern auch beratende Funktion.
Aufstieg und Sklavenhandel Im 15. Jahrhundert kam es zu ersten Kontakten des Königreichs mit den Europäern (Portugiesen), welche damals vorwiegend an Handelskontakten interessiert waren. Benin war damals die meisten Gebiete der Region vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Bedeutende Handelsgüter waren Palmöl, Pfeffer und Elfenbein. In dieser Zeit strebte das Königreich unter Eware dem Großen, der 1440 den Thron bestieg, gerade dem Zenith seiner Macht entgegen. Nachdem es ihm gelungen war, bedeutende Eroberungen in den umliegenden Gebieten zu machen, ließ er durch Straßenbau die Infrastruktur des Reiches verbessern und Kunsthandwerker herbeiholen, welchen er den Auftrag gab, die Hauptstadt zu verschönern. Der Herrscher von Ife schickte ins Nachbarreich einen seiner gewandtesten Meister, den Schmied Iguehae, welcher in Benin Erzählungen nach wie ein Gott verehrt worden ist. Von Einwanderern wie ihm lernten die Handwerker Benins die Bronzegusskunst, welche sie mit den Methoden ihrer bereits vorhandenen Holzschnitz- und Elfenbeinkunst zu einem neuen Stil kombinierten. Die Benin-Kunst kam damals zu einer Blütezeit. Als er auf Grund des Todes seiner zwei Söhne seinem Volk für drei Jahre eine Art Nationaltrauer erließ, welche harte Lebenseinschränkungen mit sich brachte (Verbot von Kleidung, Körperwäsche und Kinderzeugung), kam es zu großen Unruhen im Reich und einer Verstimmung des Verhältnisses zwischen Volk und Herrscher.
Verlust der Macht und Nachwirkungen Während des frühen 19. Jahrhunderts führten humanistische Strömungen in Großbritannien und Frankreich zur Aufhebung der Sklaverei im Britischen Empire im Jahre 1833. Großbritannien sah sich ab dann zunehmend in der Rolle des „Sklavenbefreiers“ und unternahm verschiedene Bemühungen, dem vor allem noch von Portugal aufrecht erhaltenen Sklavenhandel ein Ende zu setzen. Im späten 19. Jahrhundert nutzte Großbritannien diese Einstellung als Vorwand für Kolonialkriege gegen sklavenhaltende Königreiche am Golf von Guinea, unter anderem auch gegen das Königreich Benin in den 1890er-Jahren. Trotz gewisser Vorräte an Schusswaffen und einer straffen Organisation ihrer Armee waren die Verteidiger gegen die militärische Stärke der Eindringlinge machtlos. Das Königreich Benin wurde im Jahre 1897 durch die Briten - zum ersten Mal seit seiner Gründung - erobert. Gesellschaft und Staat Die Gesellschaft im Königreich Benin war ethnisch uneinheitlich immer durch eine komplexe Hierarchie geprägt. Die Herrscherschicht wurde durch aristokratische Kreise gestellt. Die meisten der höchsten Ämter waren erblich. Der überwiegende Teil der Gesellschaft lebte europäischen Reiseberichten zufolge in einem sklavenähnlichen Verhältnis zum Herrscher. Menschen, vor allem Frauen, konnten als Tauschobjekte fungieren.
Der Oba und sein Hofstaat Höchstes politisches und rituelles Oberhaupt des Königreichs Benin war der sog. Oba. Seine Untertanen hielten ihn für gottähnlich und schrieben ihm eine Art mystische Macht zu, die seine Auserwähltheit rechtfertigte. Innerhalb seines Herrschaftsbreiches hatte er die rechtliche und administrative Gewalt inne und ein Handelsmonopol auf bestimmte Güter, vor allem auf die wertvollsten Ressourcen des Landes wie Elfenbein, Kupfer und Zinn (zur Bronzeherstellung). Für alle Untertanen, besonders für den Hofstaat, galten strenge Verhaltens- und Kleidungsregeln. Der Oba war nicht nur König, sondern auch oberste juridikative und religiöse Instanz sowie vorderster Protagonist bei allen traditionellen Riten. Aber obwohl er wie ein absolutistischer Herrscher auftrat, war seine Macht nicht unbegrenzt. Sie wurde durch den Rat der Orizama oder Uzama n Ihirin, der „Königsmacher“, begrenzt. Dieser Staats- bzw. Kronrat bestand aus sieben Mitgliedern und hatte die Aufgabe, dem Oba mit ihrem Rat beizustehen, nach seinem Tode unter seinen beiden ältesten Söhnen oder seinen Brüdern einen Nachfolger zu wählen und die Einhaltung der strengen Sittengebote, welche auch das Dasein des Oba reglementierten, zu überwachen. Dazu gehörten u.a. auch präzise Vorschriften zu Schlaf und Essenseinnahme des Oba. Die Uzama n Ihirin legitimierten ihre Macht durch angebliche Abstammung von der ersten Yoruba-Dynastie und vererbten ihre Titel und Ämter durch Erstgeburt. Dies gilt auch für das Amt des obersten Heerführers, welcher in der Hierarchie unmittelbar unter dem Staatsrat stand. Militär Dem 1668 erstmals in Amsterdam publizierten Reisebericht des niederländischen Händlers Olfert Dapper zufolge war das Militär des Oba ähnlich straff organisiert wie der Hofstaat. Dapper berichtet, der Oba könne an einem Tage 20.000 Mann mobilisieren und in kaum weniger Zeit weitere 80.000. Die Armee wurde durch Edelleute kommandiert, welche unmittelbar dem Oba und dem obersten Heerführer unterstanden. Dapper schätzt ihre Zahl auf 300 bis 400.
Besondere Sitten und Rituale Eine besondere Verehrung brachte man in Benin der Mutter des Königs entgegen. Sie hatte die wichtige Aufgabe, die Thronfolger zu erziehen. Auf Grund ihres naturgemäß besonderen Einflusses auf den Oba, schrieb die Sitte ihr vor, außerhalb des Palastbezirks zu leben. War ihr Sohn erst einmal inthronisiert, durfte er sie nie mehr wieder sehen und durfte nur über Dritte ihren Rat einholen. Kunst und Architektur Die Einwohner des Königreichs Benin waren und sind äußerst gewandte Kunsthandwerker. Die Benin-Kunst ist heute weltberühmt und sehr vielfältig. Ihre Grundelemente sind der Bronzeguss, die und die Bearbeitung von Holz und Elfenbein. Quelle: http:// de.wikipedia.org/wiki/Königreich_ Benin Literatur: Karl-Ferdinand Schaedler: Die alten Kulturen Nigerias in: Afrikanische Kunst, München 1997
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